Die historische Lautlehre der romanischen Sprachen ist bis auf wenige Ausnahmen stark einzelsprachlich ausgerichtet. Betrachtet man jedoch bestimmte Phanomene, die bislang - sofern uberhaupt - individualsprachlich konstatiert worden sind, im gesamtromanischen Kontext, so werden in etlichen Fallen ubergeordnete Entwicklungslinien erkennbar. Die Untersuchung beschaftigt sich mit Problemen im Zusammenhang mit der Entwicklung des lateinischen Diphthongs au in den romanischen Sprachen, ein Themenkomplex, der in den einschlagigen historischen Grammatiken vielfach nicht die ihm gebuhrende Aufmerksamkeit erfahrt bzw. dessen Darstellung nicht befriedigt. Die Arbeit geht zunachst der Frage nach, was der lateinische Diphthong au phonetisch darstellt und ob hier im Laufe der lateinischen Sprachgeschichte Veranderungen eingetreten sind. Nach einem Uberblick uber die Entwicklung von au in den einzelnen romanischen Sprachen werden die Wechselwirkungen zwischen au und benachbarten Konsonanten (nachfolgende Verschlu laute und s sowie vorhergehende Liquide) behandelt, die z. T. in direktem Zusammenhang mit der Eigenentwicklung von au zu stehen scheinen und sich in einigen Fallen in hohere Ordnungen romanischen Lautwandels auflosen.