Obwohl viel zitiert, ist Kants Begriff der Unmundigkeit bisher so gut wie gar nicht untersucht worden. Das Buch fullt diese Lucke durch eingehende Beschaftigung mit Kants Quellen sowie seinem Logik- und Anthropologiecorpus. Wo Kants Zeitgenossen Aufklarung vorrangig als epistemische Kategorie verstehen, so die These, entwickelt Kant in seiner Anthropologie ein soziales Konzept von Aufklarung. Unmundigkeit und Vormundschaft bezeichnen namlich eine Beziehung der Substitution des Vermogensgebrauchs, die ontogenetisch temporar notwendig ist, aber zur Implementierung von Abhangigkeits- und Herrschaftsverhaltnissen leicht auf Dauer gestellt werden kann. Aufklarung als Ausgang aus selbst verschuldeter Unmundigkeit durch eigenstandigen Vermogensgebrauch bedeutet daher immer einen Eingriff in soziale Beziehungen.