Im Zuge wirtschaftlicher Transformationsprozesse avancierten die ostchinesischen Kustenprovinzen zu Knotenpunkten nationaler wie globaler Waren- und Kapitalstrome. Vor allem die Stadt Guangzhou im Perlflussdelta entwickelte sich zu einem Zentrum exportorientierter Industrien und zu einer der am schnellsten wachsenden Metropolen der Welt. Als eine Folge aber auch als Triebkraft dieses Prozesses nehmen nicht nur intranationale Land-Stadt-Wanderungen zu - auch internationale Wanderungsbewegungen fuhren zu neuartigen Migrationsregimen. Hier eroffnet die Analyse der Entstehung, Aufrechterhaltung und Transformation translokaler Handlernetzwerke zwischen Afrika und China sowie inharenter Migrationsformen und Organisationsmechanismen ein junges und noch unzureichend bearbeitetes Forschungsfeld. Die Studie zeigt durch einen Verschnitt individualistisch-handlungstheoretischer und kollektivistisch-praktikentheoretischer Erklarungsmodelle eine relationale, sozialraumliche Perspektive auf diese Netzwerke und liefert mit der Auseinandersetzung um Ressourcen, Organisation und unternehmerische Handlungsfahigkeit einen vielschichtigen Erklarungsbeitrag fur die grenzuberschreitenden Lebens- und Wirtschaftsweisen von Migranten.