Wohl kaum ein Aspekt des deutsch-sowjetischen Krieges von 1941 bis 1945 provoziert in Deutschland und Russland bis heute so groe Emotionen wie der Partisanenkrieg. Im deutschen Gedachtnis blieben die Partisanen als grausame und hinterhaltige Feinde lebendig, wahrend die Sowjetunion einen bis heute unerschutterten Heldenmythos um sie wob, der auch im Westen bis in die Forschung hinein Wirkung gezeigt hat. Historisch verlassliche Kenntnisse hingegen blieben weitgehend Mangelware. Das wird mit Bogdan Musials neuem Buch anders. Er hat in russischen und weirussischen Archiven eine Vielzahl neuer, bisher unbekannter Quellen erschlossen. Auf sie gestutzt, beschreibt er vor dem Hintergrund der deutschen Besatzungspolitik Entstehung, Ziele, Organisation und Operationen der sowjetischen Partisanenbewegung. Den Schwerpunkt seiner umfassenden Darstellung bildet Weirussland, das Zentrum der Partisanen und des Partisanenkrieges. Vollig neues Licht wirft Musial auf das Verhalten der Partisanen gegen-uber der eigenen Bevolkerung. Es war, wie er zeigt, sehr haufig von Gewalt be-gleitet. Plunderungen und Morde waren keine Ausnahmeerscheinungen. Die militarische Effizienz der Partisanen sowie ihre immer skrupelloser werdende Bekampfung durch die deutsche Besatzungsmacht sind weitere gewichtige Themen des Buches, das auch das Schicksal der Frauen unter den Partisanen und die Rolle judischer Partisanenorganisationen beleuchtet. Ein aufregendes Buch, das den Mythos einer das ganze Volk umfassenden und von ihm getragenen einheitlichen Partisanenbewegung hinterfragt.