Die lebensentscheidende Begegnung der baltischen Baronin Marie von Bruiningk mit dem Bonner Revolutionar Gottfried Kinkel und seiner Frau Johanna, dokumentiert in 81 Briefen. Der Vormarz politisierte auch die Frauen, unter ihnen Marie von Bruiningk - eine baltische Baronin, die als Vorkampferin der Demokratie zu Unrecht in Vergessenheit geriet, wenn auch ihr Londoner Salon in den Memoiren des sozialistischen Exils vertreten ist. Der vorliegende Briefwechsel erlaubt erstmals Einblicke in die Vorgeschichte ihres englischen Exils, zeigt die schrittweise Verwandlung der in der Aristokratie fest verankerten Prinzessin Lieven in eine begeisterte Anhangerin der Marzrevolution und Frankfurter Linken. Eine Schlusselposition nimmt Bruiningks schwarmerische Freundschaft mit dem Dichter und Marzrevolutionar Gottfried Kinkel ein, der ihr bei der Drucklegung ihres ersten literarischen Werks hilft. Neue Bedeutung erhalt ihr Briefwechsel in der Zeit zwischen seiner Inhaftierung und seiner - gro enteils durch Bruiningk finanzierten - spektakularen Flucht aus dem Zuchthaus Spandau. Fur die Aufrechterhaltung der Kommunikation uber Gefangnismauern hinweg war Kinkels kunstlerisch hochbegabte Frau Johanna als Ansprechpartnerin und Mittelsperson unverzichtbar. Die vierfache Mutter war unermudlich im Einsatz fur den Revolutionar und lebte so ihre spezifische Form der Emanzipation.