Studienarbeit aus dem Jahr 2021 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 1,3, Universitat des Saarlandes (Philosophische Fakultat), Veranstaltung: PS Lyrik entdecken, Sprache: Deutsch, Abstract: Dass Lyrik nicht nur die schonen Seiten des Lebens beleuchtet, sollte fur den oder die Lyrikbelesene/n keine neue Erkenntnis sein. Der 30-Jahrige Krieg, Pest, Weltkriege oder personliche Krisen waren seit jeher Themen, die in deutscher Lyrik Anklang gefunden haben. Dennoch scheint aus heutiger Sicht ein Zeitalter deutscher Geschichte besonders dunkel zu sein: Die NS-Zeit und der damit einhergehende Genozid an mehreren Millionen Juden. Noch immer ist diese Zeit ein Schandfleck deutscher Geschichte, noch immer scheint die Auseinandersetzung damit tabuisiert, gar nicht ganz verarbeitet zu sein. Lenkt man den Blick jedoch vielmehr auf die Sicht- und Denkweise direkt nach den Graueltaten, so lasst sich nach 1945 ein noch extremeres Tabu erahnen. Geschehnisse mussen verarbeitet und geordnet werden, das Leben neu sortiert, der Blick auf die Zukunft gerichtet werden. Sollte in solch einer turbulenten, von Trauer und Leid gepragten Zeit, gedichtet werden? Wie kann Lyrik uberhaupt aufgenommen und verarbeitet werden? Ist es korrekt, zu sagen, dass Kunst, die nach einer in jeder Hinsicht furchterlichen Zeit entsteht und diese thematisiert, nur genau gleichsam furchterlich sein kann? Und wenn gedichtet werden darf, gilt dies tatsachlich fur jede/n? Die vorliegende Arbeit wird sich mit ebendiesen Fragen beschaftigen und beleuchten, in welchem Verhaltnis das Gedicht als solches zur Debatte nach 1945 uber die Moglichkeiten und die Grenzen lyrischen Schreibens steht. Diese Betrachtung wird zunachst isoliert im Kontext der Debatte erfolgen, dabei sowohl die Geschichte, als auch die zeitliche Rezension der Debatte beleuchten. Ein grober Uberblick soll dabei beleuchten, welche Moglichkeiten die Lyrik in Bezug auf den Genozid der judischen Bevolkerung hat. Danach folgt eine Betrachtung der Todesfuge von Paul Celan, worin die Entstehungsgeschichte, die Sprache und die rhetorischen Mittel analysiert und gedeutet werden. Letztlich werden diese Mittel Celans mit den Moglichkeiten und Grenzen der Lyrik nach 1945 in Relation gesetzt, wonach ein Fazit die Arbeit beenden wird. Die Beruhmtheit der Todesfuge resultiert besonders aus der Aufmachung des Gedichtes, das gleichsam metaphorisch und realitatsgetreu die Umstande des Holocausts beleuchtet. Daher wird es auch haufig als Unterrichtsgegenstand an Schulen genutzt, insbesondere zur Interpretation. Die vorliegende Arbeit bietet neben der Beleuchtung der Debatte auch eine ausfuhrliche Interpretation des Gedichtes.