Als anti-narrative Gattung par excellence erlebt das Stilleben in der Literatur des 20. Jahrhunderts ein eigentumliches Revival. Es lenkt den Blick nicht nur auf die Krisen und Aporien des Erzahlens, sondern zugleich auf die Anachronismen und Restbestande der Moderne selbst. Im Untergrund der Texte entfaltet das Stilleben ein subversives Potential, das die narrative Logik ebenso wie die Hierarchie von Gro und Klein unterlauft. Gerade deshalb ist das Stilleben nicht nur Gegenstand der Lekture, sondern zugleich deren Dispositiv: Es zeitigt eine Philologie des Kleinen, die das ubersehene, widerspenstige Detail fokussiert. An Werken von Robert Musil und Marcel Proust, W.G. Sebald und Claude Simon geht die Studie der Arbeit des Bildes nach - jenen uberaus produktiven Rezeptions- und Ubertragungsprozessen zwischen Bildern und Texten, durch die sich Topoi und Figuren verborgen fortschreiben.