Wie und warum werden in der griechisch-romischen und nachantiken Literatur bekannte mythologische Gestalten wie etwa Odysseus mit der lebensweltlichen Realitat verschrankt, oft auch konfrontiert? Die gemeinsame Perspektive der hier versammelten Beitrage zum kreativinnovativen Umgang mit Mythen liegt in der Interpretation von Texten der europaischen Literatur, in denen mythisch-literarische Modelle jenseits der etablierten, klassisch gewordenen Groformen des Epos und der Tragodie rezipiert und transformiert werden. Durs Grunbein eroffnet den Band mit einem Essay uber die romische Satire, die ihren End- und Hohepunkt in 'Bruder Juvenal' erreicht. In seiner poetischen Neuubersetzung von Juvenals dritter Satire fuhrt Grunbein mit dem unverstellten Blick des praktizierenden Dichters in den romischen Alltag ein, in dem fur mythologische Gotter und Heroen kein Platz mehr ist.