Im vorliegenden Text wird die Frage untersucht, ob Pflichten gegen sich selbst moralische Relevanz haben oder, so Habermas, nur als pragmatische Pflichten gelten, da sie lediglich das Interesse der Subjekte betreffen. Die Analyse von Kants Pflichten gegen sich selbst verlauft anhand seiner Moralphilosophie sowie einer Rekonstruktion des naturrechtlichen Ursprungs dieser Pflichten und ihrer Verbindung mit den subjektiven Rechten. Zuletzt wird die Aktualitat dieser Pflichten fur die zeitgenossische Ethik behandelt. Dafur ist die Interpretation von Adorno, der diese Pflichten und Kants Moral als Ausdruck des Widerstandes des Subjektes gegenuber der Gesellschaft liest, wesentlich. Durch Adornos Interpretation erfasst die Autorin die Pflichten gegen sich selbst als Teil der personlichen Integritat und des Widerstandes gegenuber der von der Gesellschaft erzwungenen Heteronomie. Dadurch erhalten diese Pflichten nicht nur fur die Moral, sondern auch fur die Politik Relevanz. Einerseits bezeichnen diese Pflichten in Kants Philosophie die grundlegende Tatigkeit des autonomen Subjektes bei der Entstehung von Moral. Andererseits schutzen diese Pflichten die Interessen der Subjekte, die nicht immer mit denen der Kollektivitat identisch sind.