Wenngleich in ihren genauen Dimensionen bislang nur unsicher prognostizierbar, gelten Praktiken des offentlich meist so genannten 'Gendopings' zugleich als zukunftstrachtigste Form der Leistungssteigerung, die uber die Grenzen des modernen Spitzensports hinaus in paradigmatischer Weise Fragen von gesamtgesellschaftlicher Relevanz aufwirft. Die gegebenen Moglichkeiten eines sportlichen gentechnologischen Enhancements erfordern nicht nur eine umfassende sozial- und bioethische Revision der an den modernen Spitzensport und seine Handlungstrager angelegten ideellen und materiellen Leistungs- und Verhaltensmastabe. Indem sich im Gendoping brennpunktartig fundamentale individuelle wie gesellschaftliche Einstellungen und Umgangsweisen mit biomedizinischen Enhancement-Techniken verdichten, steht ganz zentral auch die anthropologische Frage nach Funktion und Wandel expliziter oder im Hintergrund wirksamer Menschenbilder zur Diskussion. Die gegenwartige Debatte ist durch ein breites Spektrum divergierender Standpunkte gekennzeichnet: Medizin, Ethik, Recht, Soziologie, Philosophie und Sportwissenschaften bringen je eigene Deutungskonzeptionen in Anschlag. Der vorliegende Band tragt zur Entschlusselung dieser Diskrepanzen bei, indem er natur- und geisteswissenschaftliche Perspektiven sowie die unterschiedlichen zugrundeliegenden soziokulturellen, rechtlichen, ethischen sowie anthropologischen Konzeptionen mit- und gegeneinander ins Gesprach bringt.