Akademische Arbeit aus dem Jahr 2020 im Fachbereich Germanistik - Linguistik, Note: 1,0, Friedrich-Alexander-Universitat Erlangen-Nurnberg (Department Germanistik und Komparatistik / Lehrstuhl fur Germanistische Sprachwissenschaft), Veranstaltung: Gegenwartsdeutsch - sprachhistorisch betrachtet, Sprache: Deutsch, Abstract: Die Verbkategorie 'werden' erweist sich als Chamaleon des deutschen Verbsystems und ist Anlass zahlreicher Theorien um seine Entstehung als Futurgrammem. Diese Arbeit thematisiert Theorien um seine Entstehungsgeschichte und skizziert die historische Abfolge. Im Anschluss folgt eine Korpusanalyse, die die konstruktionelle Variabilitat von 'werden' genauer untersucht. Aus synchroner Sicht ubernimmt 'werden' nicht nur die Funktion als Auxiliar in verschiedenen Hilfsverbkonstruktionen wie beispielsweise Passiv, Konjunktiv oder Futur, sondern kann auch als inchoatives Kopulaverb, epistemisches Modalverb oder selten auch als Vollverb auftreten. Dieser Funktionsreichtum von 'werden' ist zugleich auf einen wichtigen Prozess des Sprachwandels zuruckfuhrbar, die sogenannte Grammatikalisierung. Darunter versteht man den Prozess der Entstehung und Weiterentwicklung grammatischer Morpheme bis hin zu ihrem Untergang. Das Verb 'werden' war gleich bei mehreren Grammatikalisierungsvorgangen beteiligt. Betrachtet man die grammatischen Funktionen von 'werden', wird schnell ersichtlich, dass das polyfunktionale und polysemantische Verb ein Produkt der Polygrammatikalisierung ist. So diente das althochdeutsche 'werdan' als Spenderlexem fur zahlreiche unterschiedliche grammatikalische Kategorien, Klassen und Konstruktionen, die uber Sprachperioden hinweg gewachsen und entstanden sind. Besonders die Genese von 'werden + Infinitiv' als analytische Tempuskategorie stellt dabei einen wichtigen und zugleich undurchsichtigen Abschnitt in der Geschichte der Grammatikalisierung als Futurgrammem dar.