Bernd Neumanns Essay behandelt Franz Kafkas drei groe Romane. Methodisch steht er Stephen Greenblatts "e;New Historicism"e; nahe. Was meint: Der Romanschreiber Kafka wird als Teilnehmer jeweils der dominierenden Diskurse seiner Zeit ernst genommen - und mithin im Kern seiner geistig-sozialen Existenz. Neumann setzt dabei auf eine moglichst eingehende Rekonstruktion der Teilnahme Kafkas an Dynamik des zeitgenossischen Diskurses, der wiederum durch Namen wie Max Brod, Martin Buber, Hans Gross, Hans Bluher, Artur Holitscher, Robert Klopstock, Anton Kuh, Gershon Wolf u.v.a. gekennzeichnet ist. Die Romane werden als eine literarische Codierung des mit aller Leidenschaftlichkeit gefuhrten Assimilationsdiskurses aus Kafkas Tagen verstandlich, eines Diskurses, der gewiss keinen anderen Autor so fieberhaft beschaftigt hat, wie gerade Franz Kafka. Insgesamt gilt in diesem Zusammenhang Friedrich Schlegels Wort: "e;Offenbar gehoren nicht selten alle Romane eines Autors zusammen, und sind gewissermaen nur ein Roman."e; Mit Blick auf diese Entwicklungsreihe seiner Romane wird Kafka als eine Art Existentialist der Assimilation konturiert. Aber auch, was es mit dem Kurzschwert der Freiheitsstatue auf sich hat, kann der interessierte Kafka-Leser in diesem Buch erfahren, und auch, wie es um jenes "e;amerikanische"e; Scheinwerfer-Licht bestellt ist, das im "e;Verschollenen"e; die Wahl des amerikanischen Richters schmerzhaft grell ausleuchtet. Ferner, dass solches lumen profanum in genauem Gegensatz zu jenem "e;gottlich"e; geheienen Licht steht, das dann im Proce aus dem "e;Gesetz"e; brechen und die Plane zum Bau der Chinesischen Mauer als einer Abwehrmanahme gegen die Barbarenvolker uberstrahlen wird. Und schlielich, was hinter dem Faszinations-Moment jenes ganz besonders herrschaftlichen (und deshalb auf besondere Weise leuchtenden) Blicks steht, der im Schlo K.`s Gegenspieler Klamm auszeichnet. Ein Blick zudem, in dessen Glanz sich die "e;kosmische Abhangigkeit des Weibes"e; (Hans Bluher) entfalten sollte (und den spater Michel Foucault als das eher kalte Sigel auf dem wissenschaftlichen Geist der Neuzeit hat wahrnehmen konnen).