Europaische Identitat ist fur Menschen in Europa allgegenwartig, doch scheint es schwierig, sie eindeutig zu definieren. Wegen dieser Mehrdeutigkeit sind die Nominalphrase europaische Identitat und die beiden Lexeme, aus denen sie besteht, besonders geeignet, um im politischen Kontext von unterschiedlichen Akteur:innen zu verschiedenen Zwecken verwendet zu werden. Vor dem Hintergrund, dass (kollektive) Identitaten als (auch) sprachliche Konstrukte zu verstehen sind, geht die vorliegende Arbeit der Frage nach, wie europaische Identitat in deutschen Bundestagsdebatten, die zwischen 1990 und 2021 stattgefunden haben, sprachlich konstruiert wird. Methodisch bedient sich die Studie der politolinguistischen Diskursanalyse: Die quantitativ-qualitative Untersuchung bietet einen Einblick in die lexikalischen Mittel, die metaphorischen Konzepte und prototypischen Argumente, mit denen die im Bundestag vertretenen Parteien zur (offentlichen) Konstruktion der europaischen Identitat beitragen.