Essay aus dem Jahr 2021 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 1,0, Albert-Ludwigs-Universitat Freiburg, Sprache: Deutsch, Abstract: Wahrend die Hermeneutik in der Theologie und in der Juristik eine gangige Methode zum Verstehen von Sinnzusammenhangen ist, gibt es laut Peter Szondi gegenwartig im deutschsprachigen Raum kaum eine literarische Hermeneutik. Stattdessen ist das Prinzip der Werkimmanenz verbreitet, bei der sich die Interpretation von Texten nur auf den Text selbst bezieht und andere Kontexte dabei auer Acht gelassen werden. Dies ist auch das Prinzip, das an deutschsprachigen Schulen bevorzugt wird, weshalb Schulerinnen und Schuler nicht lernen, einen Text hinsichtlich seiner Entstehungsgeschichte und dem auertextlichen Kontext zu untersuchen. Dabei ist genau das wichtig, um die Texte wirklich zu verstehen. Doch wieso gibt es im deutschsprachigen Raum kein hermeneutisches Bewusstsein in Bezug auf die Literaturwissenschaften? Dies erortert Peter Szondi in seinem Traktat uber die philologische Erkenntnis. Mit einem Blick auf die englische Tradition des "e;literary criticism"e; und der franzosischen "e;critique"e; soll gezeigt werden, welche Perspektiven sich damit auch dem deutschsprachigen Raum bei der gelehrten Beschaftigung mit Literatur eroffnen. Im Folgenden sollen nun zuerst die Grunde fur das Fehlen der philologischen Hermeneutik im deutschsprachigen Raum genauer analysiert werden und in Bezug darauf der eigentliche Umgang mit literaturwissenschaftlichen Texten erlautert werden. Diese Divergenz soll dann hinsichtlich des angelsachsischen und franzosischen Bewusstseins fur die literaturwissenschaftliche Hermeneutik aufgelost werden.