Fur Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Falle stot, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine groartige Arztin, die ihn mit feinem, haufig detektivischem Spursinn unterstutzt. Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Die Serie von Patricia Vandenberg befindet sich inzwischen in der zweiten Autoren- und auch Arztgeneration. Melanie Trentow war eine schwierige Patientin, das wusste Dr. Norden schon einige Zeit. Richtig krank war sie in ihrem funfzigjahrigen Leben nur zweimal gewesen, aber seit ihr einziger Sohn Markus geheiratet hatte, kam sie regelma ig in die Praxis. Nicht ihretwegen, wie sie immer wieder betonte. Sie machte sich Sorgen wegen ihrer Schwiegertochter, die ja leider nicht sehr widerstandsfahig sei. Sie gab dies sehr dezent zu verstehen, aber Dr. Daniel Norden entgingen die anzuglichen Untertone doch nicht. Melanie Trentow war mit der Heirat ihres Sohnes nicht einverstanden gewesen. Sie hatte schon eine andere Partnerin fur ihn im Auge gehabt, ein Madchen aus sehr vermogendem Hause, ein hubsches Madchen! Linda Ringeis war zwar nicht so anmutig wie Beatrice und auch nicht gerade mit gro en geistigen Gaben gesegnet, aber doch eine blendende Partie. Dabei hatten es die Trentows wahrhaftig nicht notig, nach einer solchen Ausschau zu halten, denn sie waren mehr als gut betucht, bewohnten ein prachtiges Haus und besa en zu diesem noch eine ganze Anzahl anderer, die ihnen horrende Mieten einbrachten. Aber Hilmar Trentow war ein Pfennigfuchser, und selbst seinem einzigen Sohn raumte er keine Sonderrechte ein. Markus hatte studiert und war nun fur seinen Vater tatig, der sein Kapital in den verschiedensten Unternehmungen angelegt hatte. Bezahlt wurde er wie ein mittlerer Angestellter, und immer wieder hatte er zu horen bekommen, dass er erst unter Beweis stellen solle, was er zu leisten vermoge, bevor ihm mehr Entscheidungsfreiheit eingeraumt wurde. Markus war ein toleranter junger Mann. Er war auf ein gutes Verhaltnis zu seinen Eltern bedacht, und er war seinem Vater dankbar, dass er keine Einwande gegen seine Heirat erhoben hatte, wie es seine Mutter getan hatte. Beatrice war als Auslandskorrespondentin in einer Exportfirma, die Hilmar Trentow ebenfalls gehorte, tatig. Sie galt als eine tuchtige Kraft, flei ig und zuverlassig, und deshalb wurde sie von Hilmar Trentow geschatzt. Markus hatte sie im Buro seines Vaters kennengelernt. Kennen und lieben, musste man sagen, denn bei beiden war es Liebe auf den ersten Blick gewesen.