Quellenexegese aus dem Jahr 2020 im Fachbereich Theologie - Biblische Theologie, Note: 1,7, Katholische Akademie Domschule Wurzburg, Sprache: Deutsch, Abstract: In dieser Arbeit werden die wichtigsten Motive der Psalmen 30, 57, 100 und 130 vorgestellt und ausgelegt. Die Psalmen oder auch das Buch der Psalmen gelten als klassisches Gebets- und Meditationsbuch der Kirche. Dennoch ist es nicht so, dass alle Psalmen in der Liturgie Verwendung finden. Ganze Psalmen wie z. B. Ps. 56; 83 und 109 sowie einzelne Psalmverse wie z. B. Ps. 137,8f wurden vollstandig aus den Stundengebeten und christlichen Gebetsbuchern entfernt. Grund dafur ist die in diesen Stellen vorkommende Rachsucht gegenuber gottlosen Feinden. Augustinus Kurt Fenz kritisiert an dieser Stelle, dass die verhangnisvolle eingefahrene, uberkommene Vorstellung und abgedroschene Redewendung der Gott der Rache sei judisch-alttestamentlich und der Gott der Liebe sei christlich-neutestamentlich sowohl geschichtlich als auch theologisch falsch sei. Einen bestrafenden und vergeltenden Gott finden wir auch im Neuen Testament wie z. B. Mt. 25,41; 1 Kor. 16,22; Offb. 6,10; Offb 19,5. Ferner schreibt Fenz, dass die emotionale Sprache in den o. g. Psalmen vielmehr ein Ausdruck von Hoffnung ist, dass das Bose nicht siegen darf. Des Weiteren kann tiefenpsychologisch dargestellt werden, dass das deutliche Aussprechen und Benennen von Angst und Aggression in einem Gebet verhindern kann, diese Emotionen selbst aktiv auszuleben. Auch sind diese Vergeltungswunsche eine Demonstration der Bedrangten, Mittellosen und zu Tode geangstigten, die damit das letzte Funkchen ihrer Entschlusskraft aktivieren; sie sind verzweifelte Kundgebung ihrer Machtlosigkeit; sie sind Reflex auf immenses Elend. Dennoch zeigen insbesondere diese Psalmen auf, dass Gott nicht neutral bleibt, wenn sein Volk diskriminiert oder drangsaliert wird.