Die Hure von Babylon gehort zu den eindrucksvollsten und zugleich missverstandenen Bildfiguren der Johannesoffenbarung. Seit Jahrhunderten umkreisen Deutungen diese Gestalt, die in prachtigen Farben, scharfen Kontrasten und unubersehbarer Symbolkraft erscheint. Doch wer oder was verbirgt sich tatsachlich hinter dieser Allegorie? Und warum wahlte der Verfasser der Offenbarung eine so drastische Metapher, um die Machtstrukturen seiner Zeit zu kommentieren?Dieses Buch folgt den historischen Spuren der Figur und stellt die entscheidende Frage nach ihrem Ursprung: Handelt es sich um eine gottlich inspirierte Vision, ein verschlusseltes politisches Statement oder eine literarische Provokation? Die Untersuchung fuhrt in das spate erste Jahrhundert, auf die Insel Patmos, und macht deutlich, warum der Johannes der Offenbarung kaum mit dem Junger gleichen Namens identisch gewesen sein kann. Ebenso entfaltet sich der kulturelle und politische Hintergrund, in dem Rom nicht Babylon zur Projektionsflache einer weitreichenden Kritik wurde. Die Erzahlung der Hure von Babylon offnet einen Blick auf die Mechanismen von Macht, Moral, Verfuhrung und Repression. Dieses Buch schildert, wie aus einer antiken Chiffre ein universelles Sinnbild wurde und warum ihre Deutung bis heute einen feinen Riss durch die Wahrnehmung religioser und weltlicher Ordnung zieht.