Bachelorarbeit aus dem Jahr 2025 im Fachbereich Philosophie - Sonstiges, Note: 1.3, FernUniversitat Hagen (Kulturwissenschaften), Sprache: Deutsch, Abstract: Im digitalen Zeitalter hat sich die Struktur sozialer Beziehungen tiefgreifend verandert. Menschen sehen und bewerten einander nicht mehr nur in realen Begegnungen, sondern permanent in digitalen Raumen, in denen Sichtbarkeit zu einer zentralen sozialen Wahrung geworden ist. Diese Bachelorarbeit untersucht, inwiefern sich Jean-Paul Sartres Konzept des Blicks des Anderen"e; und seine Schamtheorie auf diese neuen Bedingungen ubertragen lassen. Sartres Analyse der Objektivierung, Fremdwahrnehmung und existenziellen Scham bildet das Fundament, um heutige Formen digitaler Identitat, Selbstinszenierung und Anerkennung zu verstehen. Die Arbeit zeigt, dass digitale Plattformen wie Instagram oder TikTok eine neue Art des Blicks hervorbringen: den algorithmischen Blick, der Nutzerinnen und Nutzer nicht nur beobachtet, sondern klassifiziert, bewertet und in Rankings ubersetzt. Diese Form des Blicks ist weder vollstandig menschlich noch anonym, sie erzeugt einen Hybrid aus offentlicher Sichtbarkeit und maschineller Objektivierung. Dadurch entsteht eine neue Dimension der Scham, die nicht mehr allein aus zwischenmenschlicher Begegnung entsteht, sondern aus der standigen Moglichkeit, digital gesehen, missverstanden oder verurteilt zu werden. Anhand existenzphilosophischer Begriffe wie Fur-Andere-Sein, Unaufrichtigkeit, Objektwerdung und Freiheitsverlust analysiert die Arbeit, wie soziale Medien das Selbstverstandnis des Individuums verandern. Erganzend dazu wird Goffmans Rollentheorie herangezogen, um die digitale Buhne und die damit verbundene Notwendigkeit permanenter Selbstinszenierung zu beschreiben. Phanomene wie digitale Schonheitsideale, Influencer-Kultur, parasoziale Beziehungen, Cancel Culture und die Rolle kunstlicher Intelligenz verdeutlichen, wie tief Sartres Gedanken im Kontext moderner Medien greifen, gleichzeitig aber auch, wo sie erweitert werden mussen. Die zentrale These lautet: Digitale Raume erzeugen nicht nur neue Formen der Freiheit, sondern vor allem neue Formen der Fremdbestimmung. Der Blick des Anderen ist im digitalen Zeitalter nicht mehr punktuell, sondern allgegenwartig und mit ihm eine verstarkte Vulnerabilitat gegenuber Scham, Bewertung und sozialem Druck. Sartres Theorie bleibt daher hochrelevant, muss jedoch um den algorithmischen Blick erganzt werden, um die komplexen Mechanismen digitaler Sichtbarkeit zu erklaren.