Christoph W. Stenschke widmet sich einer bislang kaum beachteten Dimension der paulinischen Mission: den übergemeindlichen Verbindungen zwischen den frühen christlichen Gemeinden. In einem ersten Schritt umreißt er die Forschungsfelder, in denen diese Beziehungen für die neutestamentliche Wissenschaft relevant sind - etwa für Einleitungsfragen, die historische Rekonstruktion des frühen Christentums, die Ekklesiologie und die theologische Einheit und Vielfalt des Neuen Testaments. Anschließend analysiert der Autor die sieben allgemein als echt anerkannten Paulusbriefe in ihrer kanonischen Reihenfolge. Dabei fragt er nach den im Vorfeld, im Verlauf und im Umfeld der Briefe erkennbaren übergemeindlichen Verbindungen. Entlang konkreter Hinweise auf Personen, Grüße, Gebete, materielle Unterstützung, Gastfreundschaft, Empfehlungsschreiben und gemeinsames Missionshandeln wird sichtbar, wie eng die Gemeinden miteinander verflochten waren. Diese Beziehungen erfüllen wichtige rhetorische Funktionen innerhalb der jeweiligen Briefe und dienen zugleich der Stärkung gemeinsamer Identität. Im Vergleich mit der Apostelgeschichte zeigt sich ein weitgehend übereinstimmendes Bild. Des Weiteren fragt Christoph W. Stenschke nach der historischen Plausibilität der jeweils beschriebenen übergemeindlichen Verbindungen. Er berücksichtigt auch die Verbindungen der sogenannten Gegner des Paulus und weist damit nach, dass übergemeindliche Beziehungen kein exklusives Merkmal paulinischer Kreise waren. Abschließend diskutiert er die Bedeutung dieser Ergebnisse für exegetische Fragestellungen und für die gegenwärtige kirchliche Praxis.