Während die Unterscheidung zwischen Literatur und Lehrwerk heute meist eindeutig erscheint, war die Grenze in der Antike weniger scharf. Besonders im 2. Jahrhundert n. Chr., in dem Bildung einen äußerst hohen gesellschaftlichen Stellenwert einnahm, standen sich Literatur und Wissensvermittlung sehr nahe. So sind Plutarchs Quaestiones Graecae und Romanae wie Gellius' Noctes Atticae einerseits als Wissenssammlungen zu verstehen, weisen andererseits jedoch eine erkennbare literarische Gestaltung auf. Christian Neumann stellt diesen vermeintlichen Gegensatz ins Zentrum seiner Untersuchung. Mithilfe der Denkfigur des didaktischen Dreiecks zwischen Schüler, Lehrer und Gegenstand analysiert er jede Position des literarischen Kommunikationsaktes (Leser, Sprecher und Gegenstand) auf ihre didaktische Funktion hin und erfasst so den genauen Zusammenhang zwischen literarischer Gestaltung und didaktischer Funktion.