Der alten darwinistisch geprägten Biologie zufolge überlebt ein Lebewesen nur
dann, wenn es sich möglichst perfekt seiner Umwelt anpasst. Es wäre damit sklavisch abhängig
von einer objektiven Außenwelt. Für Maturana und Varela gibt es jedoch keine "objektive"
Wirklichkeit. Wenn Grunderfordernisse des Lebens erfüllt sind, haben lebende Systeme alle
Freiheit, sich ihre Welt selbst zu schaffen, anstatt bloß auf Vorgegebenes zu reagieren. Für den
Menschen gilt das natürlich in besonderem Maße. Das Subjekt ist somit entscheidend an der
Schöpfung seiner nur scheinbar objektiven Wirklichkeit beteiligt. Die neue Bezeichnung von
Leben, wie es die Neurobiologen Humberto Maturana und Francisco Varela definiert haben, ist
Autopoiesis, was soviel heißt wie: sich selbst schaffen. Die in der Menschheitsgeschichte von
Weisen, Mystikern und Philosophen erkannte Einheit von Subjektivität und Objektivität, von Ich
und Welt, von Bewusstsein und Sein, wird von Maturana und Varela klar bestätigt und mit
naturwissenschaftlichen Forschungsergebnissen belegt.