Pestizide waren und sind ein zentrales gesellschaftliches Thema von ungebrochener Aktualitat: Die (deutsche) Gesellschaft ist untrennbar mit den Schadlingsbekampfungsmitteln verbunden und immer wieder erreicht ihre Nutzung politische und offentliche Aufmerksamkeit. Die zentrale Frage im Streit um Pestizide lautet: "Verhungern oder vergiftet werden?". Hinter dem Pestizidkonflikt, der bereits seit 150 Jahren besteht, verbirgt sich jedoch eine ganze Bandbreite von Bezugen, Themenfeldern und verbundenen Argumenten um Hunger, Versorgung, Gesundheit und gesundes Essen sowie wirtschaftlichen Wohlstand. Eine ausgewogene Entscheidung oder ein Kompromiss scheinen in dem Konflikt kaum moglich. Benjamin Brendel beleuchtet den Streit um Pestizide, indem er die Geschichte Deutschlands seit dem Kaiserreich neu durchdenkt, den Konflikt im globalen Kontext begreift und anhand der Lebenswirklichkeit lokaler Akteure betrachtet. Was waren in der Vergangenheit die Prioritaten zwischen Gesellschafts- und Individualinteresse und wie wirken Kontinuitaten aus den nicht demokratischen Systemen des Kaiserreichs, des Nationalsozialismus und der DDR in der Gesellschaft weiter? Welche Rolle spielten Wissen sowie Expertinnen und Experten fur politische Entscheidungen und - vielleicht noch grundlegender - wer soll uber das Wohl aller entscheiden?