Warum stritten Philosophen, Literaten, Musiker und Musiktheoretiker im 18. Jahrhundert heftig um die Frage, ob die Melodie oder die Harmonie in der Musik wichtiger und wesentlicher sei? Wie kam es dazu, dass diese Frage in Frankreich eine gesellschaftspolitische Dimension annahm? Seit der Antike wurde Musik mit gottlichen Prinzipien, religiosen Botschaften, Weltordnung oder Spharenharmonie in Verbindung gebracht. Auf diese Weise sollte sie zu einer universellen Kunst oder Disziplin erhoben werden. Aber erst als man das Wesen der Musik in der zweiten Halfte des 18. Jahrhunderts von aller Mathematik und Berechnung trennt und sie als eine ursprungliche Sprache bezeichnet, eine Sprache, die jeder versteht, uber kulturelle, soziale und zeitliche Grenzen hinweg, gelingt es, ihren universellen Anspruch gegenuber allen anderen Kunsten nachhaltig zu verbreiten; bis heute ist die Rede von der Weltsprache Musik .