Deutung spielt sowohl als Methode/Praxis wie auch als Gegenstand der Reflexion in Rechts- und Literaturwissenschaften, Theologie und Psychoanalyse eine zentrale Rolle. Im Zuge der Ausdifferenzierung des modernen Wissenschaftssystems haben die verschiedenen Disziplinen eigene Deutungskulturen entwickelt. Zudem ist der state of the art seit dem linguistic turn langst nicht mehr durch ein gemeinsames hermeneutisches Vorverstandnis der Tatigkeit des Deutens definiert. Ins Gewicht fallt dennoch, dass die genannten Disziplinen so etwas wie einen verbindlichen Bezug zu Texten anerkennen und sich damit grundlegend vom mainstream der messenden und zahlenden Wissensformationen unterscheiden. Es ist hochste Zeit, den gegenseitigen Austausch deutungsgebundener Disziplinen anzustreben. Der Band versammelt in diesem Sinne juristische, literaturwissenschaftliche und psychoanalytische Beitrage zum Thema.