
Verfolgungssuizide Im Nationalsozialismus
Dieses Buch befasst sich mit den Selbstt tungen verfolgter J dinnen und Juden im Nationalsozialismus, mit dem Schwerpunkt auf der Zeit der reichsweiten Deportationen ab Herbst 1941 und auf der Hauptstadt Berlin. Die ausf hrliche Darstellung des Ph nomens wird erg nzt durch einen Blick auf den Einzelfall: Arthur Nicolaier (1862-1942), der Entdecker des Tetanus-Erregers, war im August 1942 zur Deportation nach Theresienstadt vorgesehen. Um dieser Deportation zu entgehen, beendete er sein Leben von eigener Hand. Mit der eingehenden Beschreibung des Ph nomens sowie der individuellen Lebensgeschichte m chte das Buch eine Br cke schlagen und die vielf ltigen Facetten des Suizids unter NS-Verfolgten sichtbar machen.
Die Verfolgungssuizide in Deutschland zwischen 1933 und 1945 werden in dieser Arbeit als distinktes historisches Ph nomen beschrieben. Mit Beginn der Deportationen blieben den Verfolgten nur noch zwei Optionen, sich dem totalen Anspruch der NS-Verfolger auf Leib und Leben zu entziehen: die Flucht in den Untergrund und die Flucht in den Tod.
W hrend die Suizide den Ablauf der Deportationen nicht grunds tzlich in Gefahr brachten, bereiteten sie f r die Verfolger beim Einzug des Verm gens einen erheblichen Mehraufwand. Es mussten alternative Konstrukte gefunden und Verordnungen angepasst werden, um die (schein)legale Beraubung fortsetzen zu k nnen. Die Menschen, die sich durch Suizid entzogen hatten wurden somit posthum zu St renfrieden der Enteignung.
rztinnen und rzte spielten im Zeitraum der Deportationen eine wichtige Rolle, waren sie doch wie kaum eine andere Profession involviert in das Thema der Verfolgungssuizide: sei es durch vertrauliche Beratung oder die Beschaffung von Mitteln im Vorfeld, ber die Behandlung nach gescheiterten Suizidversuchen oder die Feststellung des Todes.
Die NS-Beh rden versuchten ihrerseits, Suizide zu verhindern, um die reibungslose Durchf hrung der Deportationen sicherzustellen. In diesem Spannungsfeld mussten rztinnen und rzte t glich Entscheidungen zwischen akuter Lebensrettung und Verhinderung weiteren Leidens treffen, wie hier gezeigt wird.
Das Buch pl diert f r eine feste Verankerung der tausenden Verfolgungssuizide in die Flucht- und Widerstandsforschung, die bis heute fehlt. Denn: Diese Selbstt tungen waren oftmals mehr als reine Verzweiflungstaten. Sie wurden geplant und als bewusste Entscheidungen getroffen, die Parallelen zu anderen Fluchtgeschichten wie dem Untertauchen sind offensichtlich. Beiden Formen der Verweigerung sind wesentliche Elemente von Resistenz und Selbstbehauptung gemein. Und neben allem Leid konnten sie durchaus positive Signaturen aufweisen.
Durch eine integrierende Betrachtung der F lle von Untertauchen, Suiziden und Suizidversuchen wird ein sehr viel gr eres Ausma an Entziehungen und Verweigerung vor dem NS-Zugriff offensichtlich und weitet den Blick auf Resistenz und Widerstand unter den zur Deportation bestimmten Menschen.
Die letzten Lebensjahre von Arthur Nicolaier zeigen dabei, wie sehr das Handeln von Hoffnung und Verzweiflung gepr gt war - und wie Verfolgte bis zum letzten Moment aktiv Handelnde bleiben konnten.
- Undertitel
- Selbsttötungen VOR Der Deportation Und Das Lebensende Des Tetanus-Entdeckers Arthur Nicolaier
- Författare
- Tim Ohnhäuser
- ISBN
- 9783111618883
- Språk
- Tyska
- Vikt
- 699 gram
- Utgivningsdatum
- 2026-04-24
- Förlag
- De Gruyter
- Sidor
- 373