Sinn ist gedachtnishaft, und Gedachtnis ist nur von der zeitlichen Tiefenstruktur des Sinns aus zu verstehen - das ist die doppelte These dieses Buches. Im ersten Teil beschreibt Thomas Khurana - unter Stichworten wie Ereignis, Wiederholung und Anachronie - die grundlegende Zeitlichkeit sinnhafter Vollzuge. In einem zweiten Teil charakterisiert er Formen des expliziten Gedachtnisses - wie Datum, Bild, Phantom - als Reflexionsfiguren dieser Zeitlichkeit. An dem komplexen und prekaren Bezug auf das Vergangensein des Vergangenen werden Aporien aufgewiesen, die nicht nur die Struktur des Gedachtnisses ausmachen, sondern die innere Unruhe und Offenheit des Sinns selbst begrunden. Im Anschluss an Luhmann, Derrida und Wittgenstein macht Khurana so den grundlegenden Charakter von Gedachtnis deutlich, der jene Zeitlichkeit fundiert, die in der jungeren Sprachphilosophie so auffallig ignoriert wird und die doch konstitutiv ist fur die Form sinnhafter Praktiken.