Wie wurde kaiserliche Herrschaft im spatantiken Ostrom begrundet? Um dies zu ergrunden, lotet der vorliegende Band fur den Zeitraum von etwa 457 bis 550 n. Chr. systematisch den Stellenwert republikanischer Deutungsangebote aus und erganzt so die Forschung, die sich auf den als Sakralisierung bezeichneten Prozess der christlichen Uberformung traditioneller Kommunikationsformen konzentrierte. Methodisch werden Zugange der Historischen Semantik und der metaphorologischen Begriffsgeschichte genutzt. Das betrachtete Jahrhundert zeichnet sich durch einen Rechtfertigungsdruck dafur aus, weshalb die tradierte imperiale Monarchie die fur das romische Gemeinwesen (res publica) angemessene Herrschaftsform darstellte. Die Kombination aus teils traditionellen, teils innovativen Formen von Monarchiekritik, Endzeiterwartungen und dem Umstand, dass auf ehemals romischem Boden Reiche entstanden, die von keinem Kaiser beherrscht wurden, entfaltete eine bedrohliche Begrundungslast, auf die reagiert werden musste.