Unter dem Pseudonym La Mara veroffentlichte die aus Leipzig stammende Marie Lipsius im Herbst 1867 ihre ersten Artikel: biographische Skizzen uber Robert Schumann, Frederic Chopin und Franz Liszt. Ihre zahlreich folgenden Texte wurden zu popularen Medien der Musikvermittlung, doch unter Fachkollegen provozierten sie die Frage, ob Biographien, noch dazu geschrieben von einer Frau, anerkannter Teil der Musikforschung sein konnten. Um Musikwissenschaft als universitare Disziplin zu etablieren, waren Grenzziehungen notig, die bis weit ins 20. Jahrhundert Bestand haben sollten: zwischen Werk und Leben, Komponist und Interpretin, Philologie und Kritik, Wissenschaft und Literatur. Das Buch wurdigt erstmals Lipsius' Arbeit als Biographin, Editorin, Kritikerin und Schriftstellerin. Gleichzeitig offnet ihre Biographie einen Blick in die Institutionalisierungsgeschichte der Musikwissenschaft.