Die Pseudoklementinen sind als Quelle für frühe jüdisch-christliche Traditionen bekannt. Bisher wurden sie aber nicht zum besseren Verständnis von Problemen der Identität und Orthodoxie unter Christen, Juden und Heiden im vierten Jahrhundert herangezogen. Unter Rückgriff auf das Werk Pierre Bourdieus analysiert Nicole Kelley die rethorischen Strategien der Rekognitionen. Diese Strategien diskreditieren das Wissen von Philosophen und Astrologen und bestimmen Peter und Clemens als exklusive Vertreter prophetischer Weisheit. Die Autorin kommt zu dem Ergebnis, daß der Text keine beliebige Sammlung von früheren Quellen darstellt, sondern daß es sich um eine kohärente Erzählung handelt, die sich primär mit epistemologischen Themen befasst. Die Rekognitionen spiegeln demnach komplexe Rivalitäten zwischen verschiedenen christlichen und nicht-christlichen Gruppierungen wieder, wie sie im vierten Jahrhundert in Antiochien auftraten.