In seiner historischen Relevanz ist die Bergpredigt als Zentralstelle des neuen Testaments lediglich mit der Offenbarung der Zehn Gebote am Berg Sinai im Alten Testament vergleichbar. Ihre fundamentalen Kernaussagen dienen dem Christentum, also einer Weltreligion, als integraler Bestandteil eines ethischen Konzeptes. Damit gilt die Bergpredigt als magna charta christlicher Existenz." Die Form der Streit- und Konfliktschlichtung durch Konfrontation, Vergebung und Vers hnung findet in der Ausgestaltung der Bergpredigt ihren idealen Charakter und hat nicht nur gesellschafts- und sozialstrukturell ver ndernden, sondern auch politischen Anspruch hinsichtlich einer praktikablen Umsetzung. Die Bergpredigt hat bis heute f r Menschen aus aller Welt nichts an ihrer Bedeutung verloren, stellt sich jedoch f r viele die Frage nach ihrer Umsetzbarkeit und wortw rtlichen Auslegung. Im Januar dieses Jahres hat der deutsche SPD-Politiker und derzeitige Vizepr sident des deutschen Bundestags Wolfgang Thierse in einem Gastvortrag in der Alt-Katholischen Gemeinde Berlin vor einer w rtlichen Auslegung gewarnt, da diese schnell zu Fundamentalismus f hren und somit dem Gemeinwohl nicht mehr dienen k nne. Seiner Ansicht nach ist eine direkte Ableitung von Handlungsanweisungen f r soziales Verhalten nicht sinnvoll, vielmehr m sse die Bergpredigt je nach Situation immer wieder neu interpretiert werden, im politischen Rahmen jedoch unter Wahrung der elementaren Grundwerte Menschenw rde' und Gerechtigkeit'. Anhand der Diskrepanz zwischen dem vermeintlichen Absolutheitsanspruch der Gebote Jesu und der notwendigen Kompromissbereitschaft der Politiker, die meist an ein Taktieren und Abr cken von eigenen Prinzipien gekoppelt ist, leitet sich zwangsl ufig eine zentrale Fragestellung ab: Kann man mit der Bergpredigt Politik betreiben?Um dies zu er rtern, werde ich zun chst kurz eine inhaltliche Gliederung der Bergpredigt und einige Interpretationsans tze skizzieren. Dies ist notwendig um g