Im Ruckblick beruhigen wir uns in Bezug auf das Schicksal der ersten deutschen Demokratie mit der Palliativformel, dass es nicht zwangslaufig so hatte enden mussen, wie es schlielich endete. Aber Zufall sei es auch nicht gewesen. Das ist richtig, gilt jedoch praktisch fur alles, was in der Weltgeschichte je geschah. Heute sind nicht nur in der Bundesrepublik rechte Parteien wieder auf dem Vormarsch. Vorschnelle Vergleiche mit der Zwischenkriegszeit verursachen Panik. Umso dringlicher ist es, erneut uber die Entwicklungen der Weimarer Republik zu reden und zu streiten. Genau dazu tragt Ute Daniel mit ihrem neuen Buch bei. Erfolge von Rechtsau enparteien lassen sich nie allein uber ihre Strategien oder Fuhrungspersonen erklaren. Das ware auch mit Blick auf Weimar zu einfach, selbst wenn viele Menschen ab 1929 vor allem auf Adolf Hitler starrten, bewundernd oder voll Furcht. Stattdessen mussen wir rekonstruieren, so die Historikerin, wie andere politische Akteure die Situation wahrnahmen. Fur die meisten von ihnen war die Weimarer Republik ein Zwischenreich, eine vorubergehende Verirrung. Ihr Handeln war ausschlaggebend fur das Ende der Republik. Hitler war nur der Profiteur.