Im Januar 1942 schlug der Sicherheitsdienst des Reichsfuhrers SS Alarm: Die Bevolkerung baue sich ihr Bild"e; zusammen und ubernehme die unsinnigsten Geruchte"e; kritiklos. Was der SD als ein Problem wahrnahm, bildet den Ansatzpunkt fur das Buch des Historikers Felix Berge. Er untersucht die Alltagskommunikation in der deutschen Gesellschaft im Zweiten Weltkrieg als Sammlung, Aneignung und Verbreitung von Informationen. Dazu dient eine breite Quellenbasis: Berichte und Schriftverkehr von Behorden und NSDAP, Gestapo-Ermittlungen und Gerichtsverfahren, Zeitungen und Chroniken, aber auch Tagebucher und Briefe. Wie tauschten sich Menschen unter den Herrschaftsbedingungen des Nationalsozialismus aus? Wie veranderte sich Kommunikation im Krieg, als das Vertrauen in die Medien zerfiel und die Wahrheit von allen Seiten unter Beschuss geriet? Informelle Kommunikation konnte die Gesellschaft in der Krise strukturieren, verlieh Individuen Souveranitat und war ein Uberlebensmittel. Wer mehr wusste, besa Vorteile. Doch die Deutschen artikulierten auch Angste und Gewalt, sie sprachen uber Verbrechen und Holocaust. Das NS-Regime bekampfte diese Geruchtemacherei"e; nicht nur, es nutzte informelle Kommunikation in der Mundpropaganda"e; auch selbst.