Zwischen der Einfuhrung der Antibabypille in den 1960er Jahren und der aktuellen Diskussion um Social Freezing, Drei-Eltern-Kinder und Leihmutterschaft verschiebt sich die Wahrnehmung der Schwangerschaft: Individuelle Lebensentwurfe und gesellschaftliche Debatten rund um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bestimmen den Diskurs uber sie ebenso wie medizinethische und biopolitische Uberlegungen. Viele Menschen wunschen sich heute einen vermeintlich ganz ihren individuellen Lebensbedingungen angepassten Umgang mit der Kinderfrage und sind sich dabei gleichzeitig der Performativitat ihres Korpers in seinen reproduktiven Eigenschaften sehr bewusst: Oft werden die eigene Fruchtbarkeit und ihr Produkt zum lebensgeschichtlichen Projekt stilisiert, dessen dokumentarische und selbstinszenatorische Aspekte ein menschheitsgeschichtlich allgemeines Phanomen radikal individualisieren und damit neu zu legitimieren suchen. Der schwangere Korper erweist sich als Kreuzungspunkt gesellschaftlicher Diskurse rund um Fragen der Lebensplanung, der Sterblichkeit und der Subjektbildung, aber auch der Okonomisierung des Privaten und der Veroffentlichung des Geheimen.