Im Zweiten Weltkrieg wurde die deutsche Raumplanung zum Instrument fur die vorgesehene Aneignung groer Teile Europas. Die bedeutendste konzeptionelle Grundlage dafur war Walter Christallers Modell der Zentralen Orte , eine Theorie uber die optimale Verteilung von Stadten und Menschen im Raum. Als Basis fur weitreichende Entscheidungen machte dieses Konzept zwei Karrieren - eine im NS-Staat und eine in der Bundesrepublik.Karl R. Kegler verfolgt die Geschichte der deutschen Raum- und Bevolkerungsplanung bis zum Ende der 1960er Jahre. Er weist erstmals umfassend nach, dass das Modell der Zentralen Orte von Beginn an einer ausreichenden wissenschaftlichen Begrundung entbehrte - aber dennoch bis heute als Grundlage von Planung dient. Gerade deshalb illustriert der Erfolg des Modells in eindrucksvoller Weise Wunschdenken und Wechselwirkungen von Wissenschaft und Politik.