Studienarbeit aus dem Jahr 2024 im Fachbereich Padagogik - Kindergarten, Vorschule, fruhkindl. Erziehung, Note: 1,0, FernUniversitat Hagen (Kultur- und Sozialwissenschaften), Veranstaltung: Modul 6 - Gesellschaftliche Rahmenbedingungen von Medien und Bildung, Sprache: Deutsch, Abstract: Die Arbeit untersucht, inwiefern das Vorstellungsverfahren fur Viereinhalbjahrige in Hamburg als institutionalisiertes Diagnose- und Selektionsinstrument zur Reproduktion sozialer Ungleichheit am Ubergang vom Elementar- zum Primarbereich beitragt. Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass Ubergange im Bildungssystem als kritische Schwellen wirken und insbesondere Kinder aus sozial benachteiligten und migrierten Lebenslagen uberdurchschnittlich haufig von nachteiligen Bildungsbiographien betroffen sind. Vor diesem Hintergrund wird gefragt, ob und wie das Verfahren - trotz seines Anspruchs auf Forderung und fruhe Unterstutzung - selektive und diskriminierende Wirkungen entfalten kann. Theoretisch stutzt sich die Arbeit auf drei zentrale Ansatze: die Habitus- und Kapitaltheorie Bourdieus, die die Reproduktion sozialer Privilegien uber kulturelle Passungsanforderungen erklart; die Systemtheorie Luhmanns, die Selektionsprozesse als systeminterne In-/Exklusionsentscheidungen beschreibt; sowie das Konzept der institutionellen Diskriminierung nach Gomolla und Radtke, das strukturell eingebettete Benachteiligungen ohne individuelle Absicht in den Blick nimmt. Darauf aufbauend wird das Verfahren zunachst deskriptiv dargestellt: Es handelt sich um ein verpflichtendes, standardisiertes Einschatzungsformat 18 Monate vor der Einschulung, dessen Schwerpunkt auf der Sprachkompetenz liegt und dessen Ergebnisse protokolliert, gespeichert und statistisch ausgewertet werden. In der kritischen Analyse zeigt die Autorin u. a. folgende Problempunkte: die fehlende theoretische und empirische Fundierung des Instruments, die Dominanz eines defizitorientierten Sprachfokus, mogliche Stigmatisierungen durch die Kategorie Migrationshintergrund , und ungleiche Anschlussbedingungen zwischen Kita (starkenorientiert) und Schule (selektiv-diagnostisch). Standardisierung und Normalitatserwartungen konnen dabei kulturelle und soziale Unterschiede unzureichend berucksichtigen und so fruhe Selektionsentscheidungen begunstigen. Im Fazit wird resumiert, dass das Vorstellungsverfahren das Risiko birgt, ungleiche Startbedingungen zu verfestigen, anstatt sie abzubauen. Gefordert werden wissenschaftliche Evaluation, Transparenz der Kriterien, reflexive Praxis sowie eine starkere Ausrichtung auf gerechtigkeitsorientierte Forderung statt auf fruhe Sortierung.