Schlafwandeln fasziniert Menschen damals wie heute als Grenzphanomen zwischen Schlafen und Wachsein, Traum und Realitat, Genialitat und gefahrlichem Wahnsinn. Dieses Buch geht der Frage nach, wie sich in unserem westlichen Verstandnis diese ursprungliche Normvariante des Schlafs im Laufe der Fruhen Neuzeit zu einer Krankheit entwickelte. Grundlegend fur diesen Prozess waren Mediziner aus dem deutschsprachigen Raum, die den aberglaubischen und damonologischen Theorien zu dem wundersamen Phanomen des Schlafwandelns physiologische und medizinisch begrundete Erklarungen gegenuberstellten. Durch ihre Beobachtungen, die sie nicht nur untereinander, sondern auch mit medizinischen Laien teilten, konnte sich das Schlafwandeln als medizinischer Diskussionsgegenstand etablieren. Ausgehend von antiken Quellen wird der Prozess der Pathologisierung bis ins 17. Jahrhundert nachverfolgt, wobei auch Parallelen aufgezeigt werden, die unser Bild vom Schlafwandeln bis heute pragen.