Die Opernbuhne des Ancien Regime gehorcht dem Paradigma des Spektakels. Sie will Schaulust und Staunen hervorrufen und zielt auf die Konstitution und Reprasentation von Herrschaft. Der visuellen Uberwaltigungsrhetorik der Gegenreformation und des absolutistischen Hofes steht sie in nichts nach; sie ist Bestandteil von deren machtpolitischen Strategien. Zugleich bewirkt die spektakulare Visualitat eine Destabilisierung des dem Barock zugeschriebenen Imperialismus des Bildes und seiner visuellen Ordnungen.Die franzosische Barockoper hat in Bezug auf diese Ordnungen stark desorientierende und verwirrende Implikationen. Aus interdisziplinaren Blickwinkeln werden die historische Dimension der Praktiken des Spektakularen sowie Fragen der gegenwartigen Auffuhrungspraxis erortert.