In den jungsten bildtheoretischen Debatten hat die Idee der Zeugenschaft steigende Konjunktur erlebt. Bilder sind nicht nur stumme Zeugen , sie halten vielmehr die Aussagen von Augenzeugen fest, und werden so zu historischen Quellen. Sowohl die Bilder als auch ihre Betrachter werden somit selbst zu Augenzeugen eines Ereignisses und das Sehen mit den eigenen Augen zu einem Kriterium von Evidenz. Die vorliegenden Beitrage widmen sich extremen Bildern des christlichen Opfertodes, wobei sie die Bildgeschichte des Martyriums als Zeugenschaft thematisieren. Hierbei werden bislang kaum untersuchte Verbindungen zwischen der martyriologischen Bildtradition und den Evidenzverfahren in der Theologie, den Naturwissenschaften und im Bereich des Rechts in den Fokus genommen. Das Verhaltnis zwischen testimonium und Bildevidenz wird auf diese Weise vielschichtig diskutiert, wobei der Schwerpunkt auf die Zeit um 1600 gelegt ist.