Wie viele deutsche Kunstler und Intellektuelle verstand Thomas Mann den Ersten Weltkrieg als Reaktion des Bismarck-Reiches auf eine internationale Verschworung des umgebenden Europa unter der Fuhrung Frankreichs. In einem monumentalen Werk, den Betrachtungen eines Unpolitischen, verteidigte er Deutschland und rechtfertigte zugleich die eigene Position als Schriftsteller. Er beschreibt - in zahlreichen Anlaufen - die Gegensatzlichkeit der beiden Parteien. Das Deutsche Reich erscheint als Schutzmacht althergebrachter deutscher Werte. Deutsche Kultur stehe gegen den franzosischen zivilisatorischen"e; Fortschrittsglauben, deutsche Dichtung, darunter die eigenen Werke, stehe gegen westliche Literatur."e; Der Wilhelminische Obrigkeitsstaat schutze deutsche Metaphysik und Musik, er schutze die zur Ironie fahige Lebensfreundlichkeit der deutschen Kunst gegen den platten Fortschrittsglauben und die verquere Tugend-Ideologie franzosischer Provenienz. Thomas Manns Verteidigungs-Buch wurde, teilweise mit seinem Wissen, zu einem gigantischen Ruckzugsgefecht. Im Jahr seines Erscheinens (1918) war das Deutsche Reich am Ende. Thomas Mann reagierte darauf, indem er in den folgenden Jahren die Vision von einer Deutschen Republik , einer sozialen Demokratie entwarf. Er beging nicht wie viele seiner Landsleute den Fehler, nach dem harten Diktat von Versailles fur einen neuen deutschen Nationalismus zu pladieren. Seine einschrankungslose Gegnerschaft zum aufkommenden Nationalsozialismus fuhrte ihn schlie lich in die Emigration. (Aus dem Beitrag von Ruprecht Wimmer)