Als Giordano Bruno 1584 seine Vermutungen uber die Unendlichkeit eines ewig wahrenden und aus unzahlig vielen Sonnensystemen bestehenden Universums niederschrieb, geriet die Welt noch nicht aus ihrer Bahn. Dazu bedurfte es erst der teleskopischen Beobachtungen Galileo Galileis, die 1608 den empirischen Beweis fur Brunos Annahmen erbrachten und die kopernikanische Theorie in eine optisch nachvollziehbare Wissenschaft uberfuhrten. Das Fernrohr veranderte jedoch nicht nur den Buck auf den Himmel, sondern verlangte seinen Interpreten auch neue Welterklarungen ab. Kunstler, Wissenschaftler und Philosophen entwarfen kosmologische Modelle und formulierten neue Weltentwurfe, die bei aller Differenz vor allem eines verband: die Tatsache, dass sie das Durchbrechen der Spharen nicht erlauterten oder illustrierten, sondern selbst zwingendes Medium der Erkenntnis waren. Den Weltbildern kommt unter der Vielzahl moglicher Motive insofern eine paradigmatische Bedeutung zu, als sie auf der Grundlage sich stets verandernder wissenschaftlicher Erkenntnisse ein ubergreifendes Bild der Welt entwerfen und dem in seiner Ganzheit Ungesehenen eine visuelle oder literarische Gestalt verleihen. Die Beitrage des vorliegenden Sammelbandes untersuchen aus unterschiedlichen Blickwinkeln den Zusammenhang von Weltsicht und Weltbeschreibung, indem sie die Bedeutung bildlicher und sprachlicher Reprasentation im Erkenntnisprozess der Geistes- und Naturwissenschaften von der Fruhen Neuzeit bis heute analysieren. Autorinnen und Autoren: Harald Atmanspacher (Physik), Stephan Brakensiek (Kunstgeschichte), Werner Busch (Kunstgeschichte), Stephan Dech/Tanja Kraus (Geographie und Fernerkundung), Robert Felfe (Wissenschafts- und Kunstgeschichte), Thomas Filk (Physik), Ulrike Gehring (Kunstgeschichte), Philine Helas (Kunstgeschichte), Wolfgang Kloo (Anglistik), Hans-Ulrich Seifert (Romanistik) und Albrecht Wagner (Physik).