Die seit funf Jahren aktuelle Finanz- und Schuldenkrise wird haufig moralisch kommentiert. Diese verbreitete Praxis bezieht sich auf die Gewissheit, dass manche Straftaten durch Geldzahlungen gesuhnt werden konnen, also durch Verwandlung einer rechtlich-moralischen in eine finanzielle Schuld, und umgekehrt versaumte Geldzahlungen - zum Beispiel Steuerhinterziehungen - durch Haftstrafen geahndet werden konnen. Okonomische sind haufig moralische Entscheidungen. Und diese moralischen Entscheidungen werden haufig auf Pflichten bezogen, die den Eltern, Gottern oder Nationen geschuldet werden, den Regeln einer Verwandtschaftsordnung, den Geboten einer Religion und den staatlichen Gesetzen.Geleitet von der Vermutung, dass die aktuellen Schulden und die um sie kreisenden Debatten und Proteste eng mit anderen Schulderfahrungen zusammenhangen - mit Evidenzen existentieller, mora-lischer oder rechtlicher Schuld -, vereint dieser Band verschiedene Positionen aus Kunst, Kultur und Wissenschaft zu einem transdisziplinaren Dialog. Vertreter/innen der Anthropologie, Soziologie, Kulturgeschichte, Psychologie, Okonomie und den Kunsten formulieren ihre besonderen thematischen Zugange, um das Verstandnis der politischen, okonomischen, moralischen und kulturellen Aspekte der Fragen nach Schuld und Schulden zu vertiefen und zu erweitern.